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Rassehunde - wie geht es weiter?

Für all jene, die sich für den Fortbestand und Erhalt der unterschiedlichen Rassen einsetzen, ist die Auseinandersetzung mit heutigen Zuchtpraktiken unausweichlich geworden. Was züchten wir heute? Und warum? Brauchen wir Rassehunde überhaupt noch? Wären wir mit Mischlingen nicht besser bedient? Sind Hybriden (Designerdogs wie beispielsweise der Labradoodle) wirklich eine Alternative? Viel wichtiger: wie geht es unseren Hunden mit den derzeitigen Zuchtspraktiken: züchten wir sie kaputt? Lassen wir sie bewusst leiden, nicht selten qualvoll leiden, nur weil wir zu wissen glauben, wie ein Hund auszusehen hat? Was ist Qualzucht überhaupt? Wie ist es dazu gekommen? Und warum?

Und das "Wesen" des Hundes - kennen wir das? Wissen wir denn noch, was das ist: ein Hund?

Tatsache ist: noch nie zuvor litten Hunde an so vielen Erbkrankheiten (etwa 500 sind derzeit bekannt). Die "normalen", sprich allgegenwärtigen Krankheiten wie Ellenbogendisplasie (ED), Hüftgelenksdisplasie selbst bei kleinen Rassen (HD), teilweise zu Blindheit führende Katarakte ("Grauer Star"), das Brachyzephale Syndrom (Kurzatmigkeit/Atemnot/Überhitzung), nachlassende Fruchtbarkeit aufgrund von Inzucht (Inzuchtdepression), Syringomyelie (SM), Addison Krankheit, Sebadenitis, Epilepsie, Zahnfehlstellungen, offene Fontanellen, milde Formen der Spina Bifida ("offener Rücken"), Keilwirbel, und und und. Die Liste ist lang, das Leiden der betroffenen Hunde - und indirekt ihrer Menschen - ist groß.

Diese Links sollen helfen, Ihnen einen kleinen Einblick in die Diskussion um solche Missstände geben. Gewissenhafte Züchter, PetWatch, der Dortmunder Appell - es gibt Bestrebungen, diesen Missständen entgegenzuwirken und neue Maßstäbe zu setzen. Sie sind jedoch - noch - nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Jemima Harrison - Pedigree Dogs Exposed (BBC 2008), englische Version
Der Film, der den Stein ins Rollen brachte: 2008 wurde von der BBC der Dokumentarfilm von Jemima Harrison "Pedigree Dogs Exposed" erstmalig in England ausgestrahlt. Ein Jahr später folgte das amerikanische Fernsehen. In England läutete dies eine Wende in der Hundezucht, ein Umdenken des weltgrößten Zuchtverbands, des britischen Kennel Clubs, ein.

Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass dies keine leichte Kost ist.

Hier der Link zu Jemima Harrisons Blog

 

Philipp Hampl - Viel Rasse wenig Klasse (WDR 2011)
Das Geschäft mit Rassehunden boomt. Welpen aus anerkannten Zuchtbetrieben sind begehrt und teuer. Über die "Reinheit" der Rasse wachen Vereine, allen voran der Verband für das Deutsche Hundewesen. Als "Rassenwahn" bezeichnen es kritische Tierschützer und kämpfen gegen die "Züchterlobby".

Dieser Film ist ein guter Einstieg in das Thema, zeigt aber eine potenziell problematische Verpaarung zweier Rassehunde (Hütehund und Retriever) als einzigen Ausweg aus dem Dilemma. Zwei kranke Rassehunde als Elterntiere garantieren leider keineswegs zwangsläufig gesunde Nachfahren.

 

Dr. Hellmuth Wachtel: Der Biohund - Plädoyer für eine neue Rassehundezucht
Der weltweit renommierte und streitbare Wiener Kynologe und Experte in Sachen Genetik, Dr. Hellmuth Wachtel (siehe auch "Literaturempfehlungen"), hat in dem Aufsatz "Der Biohund" knapp skizziert, wie die Rassehundezucht - dessen Befürworter er ist - noch zu retten wäre.

 

Dr. Irene Sommerfeld-Stur: Qualzucht.
Qualzucht - was ist das eigentlich? Die Wiener Veterinärmedizinierin und Genetikerin Dr. Irene Sommerfeld-Stur ist, wie Dr. Hellmuth Wachtel, eine unermüdliche Aufklärerin in Sachen Hundezucht. Ihre wissenschaftliche Kompetenz in Sachen Genetik ist immer wieder dann gefragt, wenn es um eine fachlich fundierte, unaufgeregte, aber gerade deshalb oft ernüchternde Diskussion erblich bedingter Krankheiten bei Hunden geht. Für weitergehende Information ist ihre sehr empfehlenswerte Webiste eine Fundgrube.